BRUCHLANDUNG (CRASH-LANDING)




In Großformat und hinter Acrylglas zeigt Gobbesso in der Serie „Bruchlandung“ Abbildungen von toten Insekten. Weiß erhellt und hochauflösend heben sich die zerstörten Körper
gegen ein tiefes Schwarz ab, schimmern hinter Glas. Bleibt die mikroskopische Welt der
abgebildeten Insek- tenkörper sonst natürlicherweise im Verborgenen, so maximiert Gob-
besso mit diesen Arbeiten den Blick auf eben diese verschlossene Welt. Feine Flügelsehnen und gebrochene Gliedmaßen kann der Betrachter erkennen.
Er wird zum Augenzeuge eines Tatorts, zum Voyeur – und gelangt so schnell in ein Dilem-
ma: Konfrontiert mit dem gewaltsamen Tod eines Lebewesens müsste er das Bild ethisch
ablehnen. Scham und Betroffenheit werden geweckt, doch absorbiert Gobbesso entsprechende
Emotionalitäten durch die von ihm forcierte Inszenierung des Insekts. Tod und Gewalt
werden ästhetisiert. Eine Situation, welche die „Bruchlandung“- Serie mit der ihr eige-
nen morbiden Stimmung aus- stattet. Und eine Situation, für die es vorerst keine Lösung
gibt.

Gobbesso schaltet sich als Täter mit in die Verhandlung des Betrachters mit dem Bild.
Er ist Urheber der Gewalt und verantwortlich für ihre Aufbereitung. Aber ist er letzt-
lich nicht doch nur neutral experimenteller und somit legitimer Dokumentator, ein mit
dem Tod Spielender, der vor lauter Faszination vergessen musste, dass er Leben vernich-
tet? Die Serie stellt so auch die Frage nach dem Wert von Leben in einer Welt voller
medial inszenierter Gewalt.
Vor der schönen Grausamkeit der Serie „Bruchlandung“ schützt Gobbesso den Betrachter
nicht. Aber er umwirbt ihn widersprüchlich mit der von ihm propagierten Schönheit vom
Tod, und das eigentlich (ethisch) Unvertretbare löst sich von den Fotografien sukzessive
ab. Zurück bleiben nur Staunen, Erschrecken vor sich selbst, sowie Neugierde. Und ein
Dilemma für das uns Gobbesso nur seine eigene geheime Lösung anbietet. Diese gilt es
immer wieder neu zu erforschen.
Text: Enno Schramm

In large format, behind acrylic glass, Gobbesso, in his series, „Bruchlandung“ („crash-
landing“), displays images of dead insects. In high resolution, shed with white light,
the destroyed bodies stand out from a deep black, shining behind glass. While the mi-
croscopic world of the pictured insects is otherwise naturally obscure, Gobbesso in his
work pushes the insight into this enclosed world to a maximum. The viewer is able to
identify delicate wing chords and broken limbs.
He becomes the eye-witness at a crime scene, a voyeur - and quickly gets into a predi-
cament: Confronted with the violent death of a living being, one is urged to disapprove
of the picture on ethical grounds. Shame and dismay arise, but Gobbesso absorbs these
adequate emotions by his forced staging of the insect. Death and violence become aes-
thetic. - A situation which the „Bruchlandung“ series equips with a morbid atmosphere
of its own. And, a situation for which there is presently no solution.
Gobbesso intervenes as a perpetrator in the viewer‘s trial with the picture. He is the
creator of violence and responsible for its processing. But isn‘t he, in the end, but
a neutral, experimenting and therefore true documentarist, a player with death, who in
his fascination had to forget he is destroying life? The series thus poses the question
about the worth of life in a world full of media-staged violence.
Gobbesso does not protect the viewer from the beautiful cruelness of the „Bruchlandung“
series. But he contradictorily woos him with his propaganda for the beauty of death, so
that with regard to ethics, the indefensible by and by withdraws from the photographs.
The remains are nothing but amazement, dismay about ourselves and curiosity. And a
predicament that Gobbesso offers us his own secret solution for. That is what is to be
explored again and again.